Die Welle reiten

Wie die schwarze Katze auf dem Brett
reitet die weise Frau die Welle des Lebens.
Sie kämpft nicht gegen das Wasser.
Sie zwingt dem Ozean nicht ihren Willen auf.
Sie lauscht.
Tief unter der Oberfläche spürt sie die Strömung,
die unsichtbaren Bewegungen des Schicksals,
das Ziehen der Gezeiten ihrer Seele.
Die Welle ist Veränderung.
Die Welle ist Gefühl.
Die Welle ist das große „Jetzt“, das sich nicht festhalten lässt.
Wer starr wird, fällt.
Wer vertraut, gleitet.
Die Katze weiß:
Balance entsteht nicht durch Kontrolle,
sondern durch feines Antworten auf jeden Moment.
Ein Zittern der Pfoten.
Eine Gewichtsverlagerung.
Ein stilles Einverstanden-Sein mit der Bewegung.
So reitet die weise Frau ihre Zeiten von Sturm und Höhe,
von Aufschwung und Abgrund,
wissend:
Nicht jede Welle trägt sie ans Ufer —
doch jede Welle lehrt sie,
wie man dem Leben aufrecht begegnet.
Schwarz ist die Katze,
Farbe der Nacht, der Tiefe, der Anderswelt.
Sie fürchtet das Unbekannte nicht.
Sie surft darauf.
Und wenn die Welle bricht,
taucht sie ein,
schwimmt unter dem Chaos hindurch
und steigt wieder auf,
das Herz ruhig,
die Augen wach,
bereit für die nächste Bewegung des großen Wassers.
Die Welle zu reiten heißt:
dem Wandel zu vertrauen,
während man ganz bei sich bleibt.
