Die Geburt des Seelenvogels

Sich selbst zur Welt bringen

Im Dunkel des Eis wartet kein schwaches Wesen.

Dort sammelt sich Licht.

Ein schwarzer Vogel ruht im Inneren,

umhüllt von Schale, Stille, Schutz.

Doch das Leuchten in ihm

ist älter als die Hülle,

größer als die Angst,

stärker als jede Begrenzung.

Die weise Frau weiß:

Nicht alles, was uns hält, ist Gefängnis.

Manches ist ein Schoß.

Manches ist Vorbereitung.

Manches ist heilige Enge,

in der die Seele Kraft sammelt,

um sich selbst zu gebären.

Der Moment kommt leise.

Ein Drängen.

Ein Pochen von innen.

Nicht die Welt ruft —

die Seele ruft sich selbst.

Der kleine schwarze Vogel

hackt nicht aus Zorn,

nicht aus Flucht,

sondern aus Erinnerung.

Er erinnert sich daran,

dass er Flügel hat.

Dass Licht durch ihn scheint.

Dass Leben nicht bedeutet,

geschützt zu bleiben,

sondern wahr zu werden.

So bricht der Schnabel die Schale,

so sprengt das Licht die Grenze,

so gebiert sich die Seele selbst

in ihre eigene Existenz.

Das ist Selbstermächtigung:

nicht werden, was andere sehen wollen,

sondern hervorkommen

als das, was innen schon immer geleuchtet hat.

Die Schale fällt.

Nicht als Verlust —

als Häutung.

Als Initiation.

Als heiliger Übergang.

Der schwarze Vogel steht zitternd im Licht der Welt,

noch feucht vom Ursprung,

noch weich vom Werden,

doch durchstrahlt vom Seelenfeuer.

Die weise Frau erkennt diesen Moment.

Sie nennt ihn nicht Krise.

Sie nennt ihn Geburt.

Sich selbst zur Welt bringen heißt:

dem eigenen Seelenlicht mehr zu vertrauen

als der Sicherheit der alten Hülle.

Und so beginnt das Fliegen

nicht im Himmel —

sondern im Mut,

die erste Öffnung ins Licht zu schlagen.

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