Mondhelle Nacht

Ich habe noch nie so helle Nacht gesehen, wie gestern. Das Licht des Vollmondes reflektierte im Schnee – es war taghell. Diese magisch-mystisch Stimmung verzauberte mich. Es fiel alles von mir ab, – ich wurde eins mit diesem wundervollen Mondzauber.

Mondfrau über dem Schnee
In der Nacht, wenn die Welt den Atem anhält,
tritt die Mondfrau leise über die Fährten der Zeit.
Ihr Silber sinkt in den Schnee,
und die Dunkelheit beginnt zu lauschen.

Der Winter öffnet sein weißes Tor,
und die Erde legt ihre Geheimnisse frei.
Alles, was war, ruht nun still —
doch unter dem Eis bewegt sich die Seele.
Der Schnee spiegelt das Mondlicht zurück,
wie ein uralter Spiegel der Ahnen.
Er zeigt nicht nur, was außen ist,
sondern das, was in uns erwacht.



In diesem hellen Schweigen
flüstert die Weisheit der weisen Frauen:
Kehre ein.
Sieh, was du geworden bist.
Sieh, was aus dir geboren werden will.

Die Mondfrau berührt die Wunden mit Licht,
nicht um sie zu verdrängen,
sondern um sie heimzuführen
in den Kreis der Heilung.

Visionen steigen auf
wie Atem über kaltem Boden —
zart, durchsichtig, wahr.
Sie führen dorthin,
wo Angst sich in Erkenntnis verwandelt
und Schatten zu Lehrmeisterinnen werden.

Der Winter ist Einweihung.
In der Stille reift die Wandlung,
unsichtbar, tief, unverrückbar.

So leuchtet die Nacht,
weil der Schnee das Licht bewahrt,
und die Seele lernt,
das eigene Leuchten zu erinnern.

Mondfrau, Hüterin des inneren Weges,
führe uns über die Schwelle:
vom Dunkel ins Bewusstsein,
vom Schlaf ins Erwachen,
von der alten Haut
in das neue, weite Sein.

Und während der Winter uns umarmt,
wissen wir:
Die Transformation beginnt dort,
wo wir still werden —
und das Licht in uns
endlich erkennt.



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