Musiktrance

Wenn die Schamanin ihre Kopfhörer aufsetzt, beginnt kein „Spotify-Moment“ – sondern ein Ritual.
Wenn die Schamanin tanzt
Es gibt einen Moment, da wird die Welt still:
Die Schamanin setzt ihre Kopfhörer auf, schließt die Augen, atmet einmal tief in ihren Bauch.
Der erste Ton berührt ihr Trommelfell – und schon antwortet ein unsichtbares Feld: die Spirits, die helfenden Geister, die Ahnen, die alte weise Kraft.
In früheren Zeiten waren es Trommeln, Rasseln und Gesänge am Feuer, die den Trancezustand der Schamaninnen und Schamanen einleiteten. Heute dürfen es auch elektronische Beats, Tribal-Sounds, Drum-Loops oder sanfte Ambient-Klänge aus Kopfhörern sein. Entscheidend ist nicht das „Wie modern“, sondern das Wie bewusst.
Die Musik als Tor
Wenn die Schamanin beginnt, sich zu bewegen, wird aus Tanz ein Gebet in Bewegung.
Ihr Atem wird tiefer, der Puls folgt dem Rhythmus, die Gedanken werden leiser. Wiederholung, Rhythmus und Bewegung können das Nervensystem beruhigen, den Verstand lockern und in einen veränderten Bewusstseinszustand führen – einen Raum zwischen Wachen und Träumen, den viele Traditionen als Trance kennen.
In dieser Trance geschieht etwas:
- Die Alltagsrolle löst sich langsam.
- Der Körper wird zum Gefäß für Energie statt zur To-do-Liste.
- Bilder steigen auf, Erinnerungen, Symbole, innere Landschaften.
- Die Schamanin spürt: Ich werde geführt.
Die Spirits kommen nicht, weil die Musik „magisch“ ist,
sondern weil die Schamanin ihre Aufmerksamkeit opfert –
sie schenkt ihre Präsenz diesem Moment, ihrem Körper, ihrem Atem, ihrer inneren Führung.
Die helfenden Geister im digitalen Zeitalter
Helfende Geister erscheinen im Erleben der Schamanin auf viele Weisen:
- als Krafttier, das im inneren Bild an ihrer Seite läuft
- als Ahnin oder Ahn, der ihr etwas zuflüstert
- als Lichtgestalt, sanft, weit, tröstend
- als reines Gefühl von Schutz, Liebe oder Klarheit
Sie zeigt ihnen mit ihrem Tanz:
„Ich bin bereit. Ich höre. Ich bin da.“
Die Kopfhörer schließen die Außenwelt aus, sodass die innere Welt lauter wird.
Jeder Schritt wird zu einem Ruf in die unsichtbare Welt.
Jede Drehung kann eine alte Geschichte lösen.
Jeder Hüftschwung kann festgehaltene Emotionen aus dem Körper schütteln.
In vielen Kulturen wurden genau so – durch Tanz, Rhythmus, Trommeln –
Heilwissen empfangen, Visionen geschaut, Seelenanteile gespürt, Antworten gefunden.
Die Schamanin von heute knüpft daran an, wenn sie sich mit Musik in Trance tanzt:
nicht aus Flucht, sondern aus der Sehnsucht nach Verbundenheit –
mit sich selbst, mit der Erde, mit ihren Ahnen, mit dem Großen Ganzen.
Der Tanz als Medizin
Wenn die Schamanin tanzt, heilt sie nicht nur „etwas da draußen“.
Sie lässt zuerst sich selbst von der Musik berühren:
- Die Schultern dürfen Lasten abschütteln.
- Das Becken erinnert sich an Lebenslust.
- Die Füße finden den sicheren Geradeweg, Schritt für Schritt.
- Das Herz wird weich genug, um Botschaften zu empfangen.
In dieser Bewegungs-Trance entsteht ein heiliger Zwischenraum:
zwischen Laut und Leise, zwischen Körper und Seele, zwischen Alltag und Anderswelt.
Hier können die helfenden Geister leichter „durchkommen“ –
in Form von inneren Bildern, Ahnungen, plötzlichen Einsichten oder stiller Gewissheit.
Einladung an deine innere Schamanin
Vielleicht trägst auch du diese uralte Erinnerung in dir.
Wenn du das nächste Mal deine Kopfhörer aufsetzt,
tue es nicht nur, um dich abzulenken,
sondern wie eine kleine Schamanin:
- Zünde eine Kerze an oder verbinde dich bewusst mit deinem Herzen.
- Wähle Musik, die deinen Körper rufen lässt: „Komm, beweg dich…“
- Schließe die Augen, atme tief, und erlaube deinem Körper, sich frei zu bewegen.
- Flüstere innerlich:
„Ihr helfenden Geister, weise Ahnen, guten Kräfte –
tanzt mit mir, zeigt mir, was ich heute sehen darf.“
Dann wird aus einem Lied ein Ritual,
aus einem Tanz eine Medizin,
und aus ein paar Minuten mit Kopfhörern
ein stilles Treffen mit der weisen Frau in dir und den Spirits,
die schon lange darauf warten, mit dir zu tanzen.
