Winterherz

Winterherz

Im Sumpfland, gefroren,
zeigt der Winter sein wahres Gesicht.
Schnee legt seine weißen Gebete
auf jedes Zweiglein, jede Spur.

Der Frost hält die Welt an,
als würde er sagen:
„Höre. Jetzt.“

Unter dem Schweigen
regt sich ein Winterherz —
erst leise, dann deutlicher,
wie ein uraltes Trommeln aus der Tiefe.

Ein Winterwesen erhebt sich,
geboren aus Kälte, Stille, Nacht.
Es kennt die Wege unter dem Eis,
die Pfade, die nur die Seele findet.

Die weise Frau geht ihm entgegen,
barfuß im Inneren,
mit Atem und Erinnerung.
Sie lauscht den flüsternden Kräften,
ruft die Ahnen in den Kreis,
und der Schamanismus wird zur Brücke
zwischen Frost und Herzensfeuer,
zwischen Starre und Neubeginn.

Denn auch in der Kälte
wandelt sich die Welt:
Schmerz ruht, Wunden schlafen,
und in der Tiefe sammelt sich Kraft.

So lernt das Herz,
im Winter stark zu werden —
und das Winterwesen weiß:
Wenn die Zeit kommt,
wird alles, was still lag,
neu erwachen.

Im Segen der Kälte.
Im Atem der Erde.
Im uralten Wissen
der weisen Frauen.

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