Die Hüterin des Nestes

Über Rückzug, Schutz und die Zeit, in der Neues entsteht

Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir nicht nach außen gehen sollten, sondern nach innen. Zeiten, in denen wir nicht handeln, nicht entscheiden, nicht kämpfen müssen, sondern einfach nur hüten, wärmen, warten und vertrauen. Diese Zeiten sind nicht unproduktiv. Sie sind heilig. Es sind die Zeiten des inneren Wachsens.

Die Hüterin des Nestes kennt diese Zeiten.

Sie baut ihr Nest aus kleinen Dingen: aus Erinnerungen, aus Gedanken, aus Hoffnungen, aus Fäden der Vergangenheit und weichen Gräsern der Zukunft. Alles, was sie gesammelt hat, wird zu einem geschützten Ort. Ein Ort, an dem etwas Neues entstehen darf.

In ihrem Nest liegen Eier – Symbole für Ideen, Träume, Möglichkeiten und neue Lebenswege. Noch ist nichts sichtbar. Noch weiß niemand, was daraus entstehen wird. Aber die Hüterin weiß: Wenn sie das Nest verlässt, wenn sie ungeduldig wird oder wenn sie ihr Nest nicht schützt, dann kann das, was wachsen möchte, verloren gehen.

So erinnert uns die Hüterin des Nestes daran, dass wir unsere inneren Räume schützen müssen.

Nicht jeder muss alles wissen, was wir planen.

Nicht jeder muss alles sehen, was in uns wächst.

Nicht jede Idee ist bereit, in die Welt hinauszugehen.

Manches muss zuerst reifen, still und verborgen.

Doch nicht nur äußere Störungen können das Nest gefährden. Auch innere Stimmen können Räuber sein: Zweifel, Schuldgefühle, das Gefühl, immer für andere da sein zu müssen, keine Zeit für sich selbst zu haben oder zu glauben, man dürfe sich keine Ruhe erlauben. Diese inneren Räuber stehlen uns oft genau das, was wir am meisten brauchen – Zeit, Raum und Stille.

Die Hüterin des Nestes weiß:

Zeit für sich selbst ist kein Luxus.

Rückzug ist keine Schwäche.

Alleinsein ist keine Einsamkeit.

Es ist die Zeit, in der die Seele arbeitet.

Im Verborgenen wachsen neue Gedanken.

Im Verborgenen entstehen neue Wege.

Im Verborgenen verändert sich das Leben.

Wer sein Nest hütet, hütet seine Zukunft.

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